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 WILHELM BLANKE
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KRITIKEN & NACHRUFE
 

Ausschnitte aus Kircheninterieurs 




Kritiken

„Der Tag“, 10. 10. 1931
Wilhelm Blanke: Ausstellung im Scherlhaus
von Franz Servaes


"Der Landschafter Wilhelm Blanke aus Unruhstadt, Posen (geb. 1873), gehört
zu den größten Könnern der Berliner Malerei. Jeder Pinselstrich „sitzt“ bei ihm. Er rückt in kühnster Weise die Farben nebeneinander, und man gewinnt den Eindruck, es könne gar nicht anders sein. Zumal mit Rot (besonders bei Dächern) versteht er zu hantieren wie kein Zweiter. In allen Nuancen hat er es auf seiner Palette. Ob er es als Grund- oder als Kontrastton zu einem Gemälde nimmt (es fehlt selten), es gibt stets dem Ganzen einen besonderen Akzent. Auch Weiß (auf Winterbildern), Grün und Grau beherrscht er in ähnlicher Weise und in reichster Abstufung. Dazu noch Gelb und Blau, wo es sich gehört. Unter den Farben aber steckt – und das ist unter Koloristen etwas besonderes - eine unerschütterlich sichere Zeichnung. Man sehe etwa, in der Ausstellung bei Scherl, das Kircheninterieur aus Kronach: wie da, hinter dem Dämmer und Halbdämmer des Vordergrunds, der Hauptaltar mit aufgesetzten Heiligenfiguren in hellstem Lichte leuchtet, bis ins letzte hinein klar aufgebaut. Oder die Rialtobrücke in Venedig. Ganz anders aufgefasst wie sonst: nicht als lustiger Teil eines pikanten Stadtbildes, sondern als wuchtige Baumasse, schräg ins Bild hineingehend mit deutlich erkennbaren Steinornamenten belebt. So versteht Blanke es, jedem Landschaftsbilde, das er anpackt, etwas Besonderes zu geben. Er malt keine Bädeker-Veduten, sondern Augenerlebnisse eines Malers. Aus Steglitz (Stadtpark), aus Schlachtensee, aus Werder, aus dem märkischen Odertal holt er Blicke heraus, die die Dinge neu machen. Oder er findet, wie bei Sagan oder dem Rostocker Hafen, den richtigen Augenpunkt, um die malerische Escheinung des Ganzen glückhaft hervortreten zu lassen. So sind die sechsundzwanzig kleinen und anspruchslos sich gebenden Oelbilder Meister Blankes, die man hier beisammen, sieht echte Kunstwerke, die jedem Raum zur Zierde gereichen."

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Aus der Ostmark-Illustrierten, 1933,
Autor unbekannt


"Am 13. März feiert in Berlin der Kunstmaler Wilhelm Blanke aus Unruhstadt (Kreis Bomst) seinen 60. Geburtstag. Mit den Freunden seiner künstlerischen Arbeit, mit den alten Bekannten daheim, gedenkt auch unsere „Ostmark-Illustrierte“ des Sechzigjährigen in aufrichtiger Herzlichkeit. Diese drei Bilder der Heimat zeugen von dem Können Blankes, der vor allem mit seinen Blumenstilleben einen Ruf erlangte. Er hat der Ostmark die herbe, stille Feierlichkeit im farbigen Bild gegeben...."

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„Oder-Zeitung“, Kreisbeilage, 7. März 1933
Blanke - Ausstellung in Berlin
von Hildegard Mirbt


"Der Verein Berliner Künstler hat sich ein besonderes Verdienst erworben, daß er dem 60jährigen Wilhelm B l a n k e zusammen mit Fritz Geyer, Carl Kayser-Eichberg und Julian Klein von Diepold eine Ausstellung widmet.
Dieser feine, stille Künstler, der der ehemaligen Provinz Posen entstammt, ist seinen Weg ganz selbständig gegangen. Er war nicht in einem Meisteratelier und hat auf keiner Kunstakademie studiert. Dafür lebte ein unstillbarer Drang in ihm, aus engen Verhältnissen herauszukommen, und so ging der junge Blanke auf Wanderschaft, die ihn weit in der Welt herumführte. Mit offenen Augen und jenem unerbittlichen Ernst, der die Voraussetzung echten Künstlertums ist, versenkte er sich in die Geheimnisse der allumfassenden Natur. Von Anfang an war es die Landschaft, die Eigenart einer Stadt oder eines vergessenen Winkels, die ihn zur Gestaltung reizte. Ein schönes Oelbild aus Venedig, das im Künstlerhaus einen besonderen Platz einnimmt, ist ein lebendiges Zeugnis aus seinen Wanderjahren....Die Blanke -Ausstellung legt das Hauptgewicht auf die Landschaft, und hier wiederum herrscht die Grenzmark vor. An erster Stelle sei die stark empfundene Seenlandschaft um Lagow genannt, die der Künstler sehr verinnerlicht gestaltete. Nicht minder eindrucksvoll und von stimmungsvollem Ernst sind die beiden Winterbilder. Besonders schön eine Baumgruppe an der vereisten Schwente mit den für die Gegend charakteristischen weißen Hügelketten im Hintergrund. Ob Blanke einen malerischen alten Hof aus seiner Versunkenheit erweckt, den stilvollen Marktplatz von Liebenthal malt oder die Mariensäule im herbstlich bunten Garten des Klosters Paradies, immer spürt man ein feines Einfühlungsvermögen und einen ausgesprochenen Sinn für Farbwirkungen. Diesem mehr impressionistischen Künstler, dem es nicht auf dramatische Steigerung, sondern auf stille Versenkung ankommt, liegt die Schwermut seiner Heimat im Blut. Und so gelingt ihm am Überzeugendsten die bedrückende Atmosphäre bewölkter Hochsommertage und die melancholische Stimmung eines Vorfrühlingsabends. Das Lichte, Strahlende, durch Heiterkeit Überwindende ist nach dem, was wir diesmal von Blanke sahen, nicht seine Sache. Erwähnt sei noch der Crossener Stadtgraben und die liebevoll gemalte Wollsteiner Sraße in Unruhstadt, dem Geburtsort des Künstlers. Blanke, dem alles Grelle, Aufdringliche fremd ist, gestaltet aus einem erdnahen, herben Landschaftsgefühl heraus, das niemals im Schematismus erstarrt. Bei Kayser-Eichberg...."

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„Steglitzer Anzeiger“, 7. März 1933
Vier Jubilare im Künstlerhaus
von Robert Scholz


"Der Verein Berliner Künstler vereinigt in der Märzausstellung im Hause Tiergartenstraße mit geschlossenen Kollektionen Kayser-Eichberg, Fritz Geyer und Wilhelm Blanke , die in diesen Tagen das 60. Jahr vollenden und Julien Klein von Diepold, der den 65. Geburtstag feiert. Dies ist wieder einmal eine Ausstellung einer echt Berlinischen Malerschule, eine Schau, die höchst erfreulich den Charakter des Vereins als einer unbeirrbaren Pflegestätte echter deutscher Kunst widerspiegelt. Nicht nur das gleiche Lebensalter eint diese vier Maler; vielmehr bindet sie auch die gleiche Gesinnung, die Liebe zur deutschen Landschaft, zu Dorf, Feld und Wald. Diese vier Maler sind keine modernen Problematiker, keine Formzertrümmerer, die die Grenzen der sinnlichen Vorstellung sprengen wollen, sondern Künstler, die still und ruhig im engen Kontakt mit der Tradition und der Natur sich ihre geistige und künstlerische Gesundheit erhalten haben. Es tut wohl.......
So entzückt in den Bildern unseres Steglitzer Künstlers Wilhelm Blanke, der am 11. März das 60. Lebensjahr vollendet, der barocke Schwung seiner brillanten Spachteltechnik und der phantastische Valeurreichtum seiner Palette. Blanke zeigt in dieser Schau 18 seiner schönen Landschaften. Er ist ein Meister darin, mit den sparsamsten und überlegensten Mitteln den ganzen Stimmungswert einer Landschaft einzufangen. Das einfachste Motiv gewinnt unter seinem Pinsel Besonderheit und Größe. Man könnte Blanke einen tiefschürfenden Portraitisten der Landschaft nennen. Mit wenigen Linien und einigen Farbakkorden gibt er, ganz gleich, ob er ein winterlich stilles Dorf der Grenzmark malt, Felder im saftigen Maigrün festhält oder einen verwitterten alten Hof malt, die ganze Physiognomie der Landschaft. In anderer Art...."

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„Der Tag“, 7. März 1933
Heimatmaler und Weltenbummler
Zwei Berliner Kunstausstellungen
Von Franz Servaes


"Drei Sechzigjährige und ein Fünfundsechzigjähriger, sämtliche Landschafter zumal deutscher Gegenden, füllen zurzeit das Künstlerhaus (Tiergartenstraße 2a) mit ihren sehr willkommenen Gaben. Als erster tritt uns Wilhelm Blanke entgegen, treuer Sohn der östlichen Grenzmark, der er auch malerisch gern huldigt. Aus bescheidenen landschaftlichen Reizen gewinnt Blanke anziehende malerische Schönheiten.
Ein kleiner Weiher mit Bäumen, ein paar Häuser um eine Kirche, ein verlorener Winkel in einer Kleinstadt genügen ihm, um seinem malerischen Auge köstliche Anregung zu bieten. In allen Jahreszeiten, ob im Mai oder im Winter, ob bei heißer Sonne oder bei fröstelnmachendem Regen, sitzt Blanke draußen bei der Arbeit, die frohe Überzeugung im Herzen, daß die Natur, wo es auch immer sei, schön ist.
Und für ihn ist sie es auch, in Lagow ebenso wie in Venedig, überall vibriert für ihn die Luft und macht die Dinge lebendig und duftig. Ein hohes Können differenziertester Widergabe zeichnet diesen Künstler aus, er ist seiner Sache ungemein sicher. In den Sälen...."

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Kommentare

Paul Schrader, Berlin 1916

„Der Meister ist eine der charaktervollsten Erscheinungen in der Berliner Malerwelt, der er seit 1898 angehört. Man darf ihn keiner Schule und Richtung angliedern, sein Lehrmeister war er selber und das Leben. Das Leben übernahm ihn vom Handwerk und bildete ihn auf weiten Reisen, es ließ ihn in fremden Ländern arbeiten und studieren, bis er über sich hinauswuchs zu dem vielseitigen, gefestigten und kenntnisreichen Künstler, als der er jetzt von allen anerkannt wird, die seinem Werk näher traten.“

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Steglitzer Anzeiger, 10. März 1933
Wilhelm Blanke, dem 60jährigen,als Gruß zum 11. März
Von Dr. Hans Rothhardt


"Wilhelm Blanke nimmt unter den Berliner Künstlern eine Sonderstellung ein. Seine Schule war das Handwerk und der starke künstlerische Instinkt, der ihn in unbeirrbarem Anstieg auf seine heutige unantastbare Höhe geführt hat. Er ist durch keine Akademie gegangen und hat nicht zu den Füßen irgend einer abgestempelten Meistergröße gesessen. Was er geworden ist, hat er seiner ihm angeborenen Gabe und seinem hervorragenden handwerklichen Können zu verdanken, ein wirklicher Selfmademan der Kunst. Wilhelm Blankes Kunst wurzelt in der Heimatliebe. Er kam in dem kleinen Städtchen Unruhstadt, in der ehemaligen Provinz Posen, am 11. März 1873 zur Welt, ist also Ostmärker und ist es bis heute geblieben; denn die Heimat geht ihm über alles. Das Städtchen liegt in einer Dreiländerecke, wo Posen, Schlesien und Brandenburg zusammenstoßen, sehr malerisch in welligem Land, durch das sich in weit ausholenden Windungen ein Flüsschen schlängelt, Paradiesland für den Maler. Blankes Kunst ist aus dieser Landschaft geboren und ihr immer treu geblieben. Gern erzählt der Künstler von seiner Heimat, deren Menschentypen er mit seinem lebhaften Temperament sehr lebendig zu schildern weiß. Er sieht sich noch als Knaben mit dem Blei- oder Farbstift herumwandern, um die geliebten Triften mit immer neuer Freude aufs Papier zu bannen. Besonders ziehen ihn die Kirchen an und die farbenbunten Prozessionen, die er meisterhaft wie kaum ein anderer darzustellen weiß. Die Hügel mit den Windmühlen, die Täler mit den Flüssen und die von anmutigen Baumgruppen umstandenen lauschigen Seen, überhaupt die ganze so herb reizvolle Ostmark sind seine Lieblingsgebiete und geben ihm stets neue Motive....Er ist ein geborener Landschafter bis heute, obwohl er auf dem Gebiete des Stillebens, des Blumenstücks, der Architektur- und Figurenmalerei bis hin zum Portrait Hervorragendes geschaffen hat.....Nach Abschluss seiner Wanderjahre siedelte er sich in Steglitz an, wo er vom Jahr 1894 an bis heute ununerbrochen lebt und schafft. Hier gewann er auch seine Gattin, die, aus kunstverständigem Hause stammend, ihm eine verständnisvolle, treusorgende Helferin wurde. In zahlreichen Skizzen und Bildern hat Meister Blanke das alte Steglitz dargestellt. Besonders die Rauhen Berge und der alte Veitsche Park waren ihm Fundgruben seiner Kunst.
In seiner schönen Atelierwohnung, die einen weiten umfassenden Blick über dieses Gelände bietet, lebt er ganz sich selber und seiner Kunst, so daß es außerordentlich schwer ist, ihn einmal in eine Gesellschaft zu locken. Wilhelm Blanke ist eine Persönlichkeit von eigenem Wuchs, durchaus einmalig; ein Künstler, der immer hilfsbereit ist, stets freudig mitgehend und anerkennend, wo sich eine Kraft, ein Talent vorwärts kämpft, uneigennützig, ermunternd durch freundlichen Zuspruch, wo Niedergeschlagenheit und Mutlosigkeit lähmend wirken. Viele, viele die bedeutende Namen tragen, kommen zu ihm, um aus seinem unerschöpflichen, praktischen Kunstwissen, aus seinem nie versagenden künstlerischen Instinkt sich beraten und führen zu lassen...."

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Rosemarie Neumann, früher Unruhstadt, nach 1945

"
.....Oftmals weilte Wilhelm Blanke mit seiner Frau in unserer Heimatstadt Unruhstadt. Dort fand er in verwunschenen Ecken und stimmungsvollen Landschaften, die er so liebte, viele Motive. In so manchen Wohnungen der Unruhstädter konnte man seine Gemälde bewundern, die Motive der Umgebung zeigten: Den Schwentesee, die Lindenallee, Schloss und Schlosspark Karge, den Minettenberg, die Obraniederung, die Berglehnen von Padligar und Radewitsch, die Kirche in Klemzig, eine Fronleichnamsfeier in Posemuckel uvm. Ein Motiv war den Einwohnern besonders lieb. Es hatte den Titel „Im Windmühlenland“ und zeigte den Blick auf Unruhstadt mit einer Mühle im Vordergrund, dass als Titelseite in der Zeitschrift „Gartenlaube“ erschien. So konnten es viele Einwohner als Zimmerschmuck erwerben......
.....Im September 1933 kehrte Blanke nach Unruhstadt zurück, um in seiner Heimat den Lebensabend zu verbringen. In der Züllichauer Straße richtete das Ehepaar sich eine stilvolle Wohnung ein und umgab sich mit herrlichen alten Möbeln und Kostbarkeiten und natürlich mit all den wertvollen Bildern. Beeindruckend war beim Betreten des großen Wohnraums das fast lebensgroße Bildnis der Schwiegertochter Ursel....
...Sicher gibt es noch zahlreiche Gemälde von Wilhelm Blanke, vielleicht in Berlin, die meisten sind aber verschollen. Die Unruhstädter haben sie 1945 zurücklassen müssen, doch diese Kunstwerke sind es wert, den Namen des Künstlers nicht in Vergessenheit geraten zu lassen."

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Nachrufe

Nachruf von Carl Kayser-Eichberg, Potsdam bei Berlin, Mitglied des Vereins Berliner Künstler 1936

Der Frühling des Jahres 1936 war gekommen und erfüllte die Natur mit neuem Leben. Da brachte eine schwarz umränderte Karte den Mitgliedern des Vereins Berliner Künstler die Kunde, dass der Maler Wilhelm Blanke in seiner Heimat, in Unruhstadt nach kurzem Krankenlager aus dem Leben geschieden sei.

Ganz unerwartet traf diese Nachricht selbst den engeren Kreis seiner Freunde und Berufsgenossen. Keiner konnte es fassen, dass dieser lebenssprühende schaffensfrohe Künstler nicht mehr unter den Lebenden weilen sollte, stand er doch jedem Einzelnen als der impulsive Maler vor Augen, der er stets war und der er auch geblieben, als er drei Jahre zuvor seinen Freunden die Hand zum Abschied gereicht hatte, um seinen langjährigen Wohnsitz in Berlin-Steglitz mit seiner Heimat zu vertauschen.

In aller Herzen stiegen Erinnerungen auf, die jeder in seinem Herzen bewahrte, der jemals mit ihm in Beziehung getreten war; denn Wilhelm Blanke war ein „Besonderer” gewesen, einer von den Menschen, über deren Leben stets ein guter Stern gestanden hat. Jeden Berufsgenossen hat er angeregt, viele gefördert und auch manchen, der im Kampfe um die Ideale flügellahm geworden war, wieder aufzurichten gewusst, immer mit seiner kunstgeübten Rechten aufwärts deutend.

Darüber hinaus aber hatte er einen bedeutsamen Kreis von Laien zu Kunstfreunden erzogen, Verständnis für alles Schöne und Gute verbreitet und selbst den sonst abseits Stehenden zu freudigem Genießen der farbenschönen Natur und ihrer künstlerischen Wiedergabe angeregt.

So trauerte denn ein großer Kreis bewegten und zugleich dankbaren Herzens um den dahingegangenen Künstler.

Wilhelm Blanke wurde am 13. März 1873 in Unruhstadt als der jüngste unter den sechs Geschwistern geboren. Drei ältere Brüder und zwei Schwestern bildeten mit den Eltern den stattlichen Familienkreis. Der Vater war Briefträger, ein braver Mann, der sich recht und schlecht durchs Leben schlug, und der seine Mußestunden gern zum Zeichnen und Malen benützte. Es muss wohl der Sinn für bildende Kunst als Erbgut in der Familie gelegen haben, jeder Sohn wurde gewerblicher Maler und auch der Jüngste, ”Wilhelm”, konnte es sich gar nicht anders vorstellen, als dass er mit dem Verlassen der Schulbank bei seinem ältesten, inzwischen zum selbständigen Meister aufgerückten Bruder in die Lehre ging.

Mit dem Pinsel musste er umgehen, das war ihm einfach eine Selbstverständlichkeit, und so wollte er - seinem Stande entsprechend - ein gediegenes Maler-Handwerk erlernen. Der Besuch einer Kunstschule oder einer Akademie erschien damals für ihn etwas, das sich infolge der engen Verhältnisse von selbst verbot.

Ja, eng und vielleicht oft schwierig, mögen die häuslichen Verhältnisse gewesen sein. Der Vater starb frühzeitig und der Mutter lag die Sorge um die Familie ob. Aber was fühlte schon der Schuljunge von den etwa vorhandenen Schwierigkeiten. Sie waren für sein frohes Gemüt einfach nicht vorhanden, ihn drückte die Erdenschwere nicht, und seine fleißige Mutter wusste das Leben in ihrem Sinne zu meistern.

Oft half Wilhelm den Nachbarn bei ihrer Arbeit; er trug die Kornsäcke für den Müller zur Windmühle und er trug zuweilen auch Telegramme in die entfernt liegenden Nachbarorte und verdiente sich hier und da ein paar Groschen. Mit seinem gefälligen fröhlichen Wesen war er stets der Liebling seiner Umgebung.

Wenn Wilhelm Blanke später von seiner Heimat und den Zeiten seiner Kindheit mit glühender Begeisterung erzählte, dann hätte ihn wohl selbst ein Fürstensohn um seine Kindheitserinnerungen beneiden können. Alles, auch das Kleinste, war ihm zum Erlebnis geworden und wurde bei seinen erzählenden Worten wieder für die Zuhörer lebendig, mochte er nun von einem fröhlichen Streich oder von der Schule erzählen, auf der ihm das Rechnen so schwer wurde.

Willhelm war also nach der Schulzeit in die Lehre gekommen. Es erübrigt sich zu sagen, dass er ein eifriger Lehrling, ein tüchtiger Geselle und Meister wurde.

Ja, er wurde ein Meister im wahrsten Sinne des Wortes, dem man selbstverständlich immer die schwierigsten Aufgaben anvertraute und den man zu Rate zog, wenn es beispielsweise galt, wertvolle Tapetenmalereien im Innern eines Schlosses zu restaurieren.

Aber es widersprach seiner Natur, ein Meister im gewerblichen Sinne zu sein mit all den Pflichten der Auftragsbeschaffung und Arbeitseinteilung.

Gern war er bereit, wenn er zu einer dekorativen Aufgabe, zur Ausmalung einer Decke, zur Herstellung eines Wandgemäldes geholt wurde, aber ein geschäftsmäßiges Unternehmen zu gründen, bei dem er sich mit einem Stabe von Lehrlingen und Gesellen umgeben müsste, während seine persönliche Arbeit in den Hintergrund treten würde, das lag so ganz und gar nicht in der Linie seiner Veranlagung. Frei wollte er sein, so verlangte es seine Künstlernatur.

Und eben diese Künstlernatur mit ihrem Freiheitsdrang dürfte es gewesen sein, die ihn zunächst auf die Wanderschaft schickte. Sein Herz war erfüllt von Sehnsucht nach dem Süden; Wilhelm Blanke zog nach Italien, nicht mit dem bequemen Luxuszug, sondern wandernd und reisend, bald hier und bald da Aufenthalt nehmend und durch gelegentliche Arbeit den leer gewordenen Beutel füllend.

Über die Schweiz führte ihn der Weg in das Land, wo die Zitronen blühen; mit offenen Augen nahm er lern- und wissbegierig die Eindrücke in sich auf.

Der fröhlich kindliche Unterton der den Volkscharakter des Italieners ausmacht, musste natürlich in dem Herzen unseres jungen Künstlers Widerhall finden. Das erdverbundene Leben des Volkes, seine Tüchtigkeit und Kunstfertigkeit, verbunden mit Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit, das alles trug dazu bei, dass sich Wilhelm, der bald auch mit der Sprache genugsam vertraut wurde, in Italien wohl fühlte. Die Kunstschätze des Landes wurden ihm eine Quelle ernsthaften Studiums.

Wohl über ein Jahr währte sein Aufenthalt im sonnigen Süden, dann kehrte er auf dem Wege über Ungarn nach Deutschland zurück. In der Reichshauptstadt fand er eine bescheidene Unterkunft. An Arbeit fehlte es ihm nicht; er konnte sich auf sein Können und seine Fähigkeiten verlassen, er wusste, dass er immer sein Brot verdienen würde

So konnte er bald daran denken, einen eigenen Hausstand zu gründen, er reichte einer Tochter des damals sehr geschätzten kunstsinnigen Photographen G r a f die Hand zum Lebensbunde und diese Begebenheit dürfte wohl eine der glücklichsten auf dem glücklichen Lebenswege des Künstlers gewesen sein.

Es ist unmöglich, einen Rückblick auf Blankes Entwicklung zu tun, ohne zugleich der Lebensgefährtin zu gedenken, die als echte Künstlerfrau ihr Glück nur in der Förderung ihres Gatten suchte. Sie nahm an allem innerlich Anteil; keine Studie, kein Bild ist entstanden, das sie nicht begutachtete; sie war die liebevoll treibende Kraft, die den jungen Blanke von dem Leitergerüst des Dekorationsmalers zur Staffelei des schaffenden Künstlers holte.

Mit dieser Kameradin an seiner Seite folgte nun Blanke ganz seinen künstlerischen Neigungen. Er fand bald Anschluss an die junge Künstlergeneration, von der er zu lernen suchte, und deren eigener Lehrer er sehr bald werden sollte. In allen technischen Fragen war er auf Grund seiner handwerklichen Kenntnisse von vornherein überlegen, die baulichen Belange der Bilderscheinung wurden ihm schnell geläufig; kurz, er wurde derjenige, um den sich seine Berufsgenossen scharten, um von ihm zu lernen. Wenn man damals unter den Malern von einer „Steglitzer Schule " sprach, mit der man den Kreis um Blanke bezeichnete, so mag das ein Scherzwort gewesen sein. Es ist aber doch für den Einfluss bezeichnend, den Blanke auf seine Umgebung ausübte.

Man hat Blanke besonders als Techniker bewundert, es wäre indessen falsch, das Wesen seiner Kunst im Technischen zu erblicken.

Gewiss, er wusste den Pinsel mit seltener Grazie zu führen, er wusste jede Zufälligkeit mit Virtuosität auszunutzen, aber das Handwerkliche war doch schließlich nur das Mittel, sein koloristisches Empfinden zum. Ausdruck zu bringen. Blanke war in allererster Linie Kolorist, das Gefühl für den musikalischen Zusammenklang der Farben, das ihm eine gütige Fee schon in die Wiege gelegt hatte, war in zielbewusstem Studium bis zur Vollendung gesteigert. Sein sicherer Instinkt für den Bildaufbau, sein Stilgefühl, sein Geschmack befähigten ihn zu Bild- Dispositiven, die ganz naturgemäß viele Arbeiten seiner Zeitgenossen übertrafen.

Niemals hat sich der Künstler auf ein enges Gebiet konzentriert; sein Schaffen war groß und umfangreich, und doch drückte seine Individualität jeder einzelnen Arbeit ihren Stempel auf.

Betrachten wir ihn zunächst als den Maler des Stilllebens. Gerade das Stillleben, das seinem Wesen nach auf geschmackvoller Disposition der Bildelemente und auf dem Wohlklang der Farbenakkorde beruht, reizte ihn natur- gemäß immer wieder zu künstlerischer Gestaltung.

Hier wurde Carl S c h u c h sein Vorbild, den er eifrig studierte, nicht um ihn nach- zuahmen, sondern um das für ihn selbst Verwendbare zu ergründen. Denn Blanke gehörte nicht zu den Malern, die die Tradition ablehnten; schon seine handwerkliche Erziehung mochte es mit sich gebracht haben, dass er Respekt vor den Leistungen der Väter hatte. Er war immer bemüht, aus der Vergangenheit zu lernen und das Gelernte für seine Gegenwart in seinem Sinne zu verwerten. Die Sucht nach dem Sensationellen, nach gemachter Individualität, die seine Zeit vielfach erfüllte, lehnte er aus innerster Überzeugung ab.

Es gibt eine große Anzahl von Blankeschen Stilleben. Er malte Krüge und Schalen und Teller und Vasen. Wurde ihm ein Huhn oder ein Stück Wild, wurden ihm Früchte in die Küche getragen, so hatte das mit unbedingter Sicherheit Anlass zur Entstehung eines Stillebens gegeben. Als einmal im Haus das sogenannte „Großreinemachen“ vor sich ging, waren eine Anzahl von Raritäten und Porzellanfiguren in wahlloser Anordnung beiseite gestellt worden, ein Zufall, der den Künstler beim ersten Betrachten erfasste und zu einem ausgezeichneten Bilde veranlasste.

Die natürliche Ergänzung fanden seine Stilleben in seinen ungezählten Blumenbildern. Der unerschöpflich reichhaltige Zauber der Blumenpracht entsprach durchaus seiner vielseitigen Palette. Niemals hat er diese Bilder mit trockener Sachlichkeit gemalt, seine Blumen waren nicht Dokumente, wie solche für einen botanischen Atlas gepasst hätten und doch waren sie in ihrer Form und Erscheinung studiert, sie lebten, ja, sie dufteten.

Vom Stilleben führte der Weg zum Interieur. Blanke malte nicht nur die Kostbarkeiten seines Hausrates, er malte selbstverständlich das Innere seines geschmackvollen Künstlerheims. Denn seine Wohnung war allmählich zu einem kleinen Museum geworden, er hatte stets eine offene Hand, wenn er den Erwerb irgendeines wertvollen Stückes ermöglichen konnte. Er war ein Freund und Kenner alter kirchlicher Holzschnitzereien. Er hatte ein feines Gefühl für die Pracht katholischer Gotteshäuser.

Jede bedeutsame Kirche, jedes Kloster kannte er von innen und außen - wenn nicht durch persönlichen Augenschein, so doch auf Grund von Reproduktionen, die er eingehend studierte. Es war nur natürlich, dass diese seine Neigung auch künstlerisch zum Ausdruck kam.

Blanke war in der Tat ein ausgezeichneter Kirchenmaler geworden, dessen Bilder die Bewunderung jedes Kunstfreundes hervorrufen. Er malte die altertümliche Dorfkirche sowohl wie den kostbaren Aufbau der Gotteshäuser des barocken Jesuitenstils.

Wir denken an sein Bild der Kirche in Klemzig bei Unruhstadt; wir denken an die repräsentativen Kirchenbilder aus Neuzelle bei Frankfurt a.0.

Gerade in dieser Kirche hat Blanke besonders gern gemalt; er liebte den Prunk und die Entfaltung katholischen Gottesdienstes, ja, er war - obwohl Protestant - eigentlich der geborene Katholik, der innerlichen Anteil an dem Hochamt und der Prozession nahm. Er malte gern diese Motive mit aufrichtiger seelischer Hingabe und selbstverständlich mit fein geschultem technischem und koloristischem Können.

So mancher, der vor Blankes kirchlichen Bildern in andachtsvoller Betrachtung saß, hatte das Empfinden einem Gottesdienste beizuwohnen, ein Beweis dafür, dass es sich bei Blankes Kunst doch um tiefere Dinge handelt als technisches Schaffen solche allein zu geben vermag.

Gewiss legte er auch Wert auf die äußere Ausstattung, konnte tagelang über die Einrahmung seiner Bilder nachdenken, er konnte sich nicht genug tun, wenn es galt, dem Kunstwerk ein würdiges Kleid zu geben. Aber zeigt sich nicht auch darin der Künstler, der das Kunstwerk eben als Kostbarkeit empfindet?

Auf der Linie seiner kirchlichen Kunst liegen die vielen Heiligenbilder, die aus seiner Werkstatt hervorgegangen sind. Bald war es eine Madonna, eine Kreuzigung, eine Grablegung, die ihn zu künstlerischer Gestaltung veranlasste.

Hier studierte er die alten Meister, beginnend mit denjenigen der italienischen Renaissancezeit bis zu den Meistern der deutschen Schulen, die er besonders schätzte. Ja, er empfand immer wieder eine kindliche Freude, wenn er neue Höhepunkte auf den vielen Gebieten künstlerischen Schaffens feststellen konnte. Überhaupt verband Blanke mit seinem Können ein umfangreiches kunstgeschichtliches Wissen. Seine Stilkenntnis und sein Stilgefühl zeigen sich auch in den Bildern, die uns das Innere verträumter Schlösser vor Augen führen.

Besonders das Schloss in Paretz wurde eine Fundgrube für seine Palette. Seine Bilder aus diesem schlichten, vornehmen Schloss sind nicht einfache Dokumente, wie sie uns heute die Kamera in vollendeter Weise wiederzugeben vermag, sie atmen darüber hinaus den Geist der Königin Luise - Zeit.

Und malte Blanke in Sanssouci, so schuf er Bilder, bei deren Betrachtung man sich ganz in die Zeiten des Kunst liebenden Friedrich des Großen versetzt fühlte.
Dass seine Schlossbilder eine natürliche Ergänzung durch solche verschwiegener stilvoller Parkanlagen fanden, sei nur so nebenbei erwähnt.

Wir müssen indessen noch des Architekturmalers gedenken, den manches Rathaus, manches irgendwie besondere Gebäude zu künstlerischer Darstellung anregte. Gerade das Rathaus am Marktplatz mit seinem bunten Treiben, mit seinen Buden, Verkaufsständen und Schirmen ist ein von ihm oft und gern gemaltes Motiv. Hier gaben ihm besonders die Kleinstädte die Vorbilder. Überhaupt liebte Blanke die kleine Stadt, und mancher malerische Kleinstadtwinkel ist von ihm gemalt worden

Bei der Vielseitigkeit seines Lebenswerkes gebührt auch dem Bildnismaler ein kurzes Wort, mag auch dieses Gebiet entsprechend seiner ganzen Entwicklung mehr in den Hintergrund getreten sein. War aber Blanke einmal von der Erscheinung eines Mitmenschen gefesselt, so griff er zur Palette, er hat besonders für seine eigene Familie Bildnisse gemalt, die ganz den Zauber Blankeschen Kunstschaffens tragen.

Noch bleibt etwas über den Landschaftler zu sagen. Wer mit Blanke über die Wiesen und Felder wanderte, dem wurde alles Geschaute im Herzen lebendig. Gern lauschte selbst der nüchterne Zuhörer seinen begeisterten Worten, mit denen er bald auf ein Wölkchen, bald auf einen Sonnenstrahl oder einen Wolkenschatten hinwies. Jede Blume, jeder Strauch, jeder Acker, jeder Bach, kurz, alles wurde ihm und seinen Begleitern zum Erlebnis. Diese Freude, dieses unbedingt Erdverbundene klingt aus jedem seiner Landschaftsbilder. Mit Kinderaugen sah er in die Natur, mit Künstleraugen wusste er sie zu gestalten. Seine Malerei war Gottesdienst, ein Hymnus auf die farbenschöne Schöpfung des Allmächtigen.

Zum letzten Mal ging ich im Spätsommer des Jahres 1935 mit ihm über die Hügel und Felder, die seine schlichte Heimatstadt umgeben. Zwar fühlte er sich nicht mehr auf seiner früheren gesundheitlichen Höhe, aber wieder packte ihn die Landschaft und erfüllte ihn mit der alten Begeisterung. Man hätte bei seinen Worten glauben können, dass Unruhstadt der schönste Flecken deutschen Landes wäre.

Er liebte die schlichte deutsche Landschaft und er liebte im Besonderen diejenige, die mit seinen Kindheitsträumen verbunden war. In seinen landschaftlichen Schilderungen kehrte er immer wieder in seine Heimat zurück, mögen auch Aufträge und Wünsche ihn veranlasst haben, auch aus anderen Quellen zu schöpfen.

Und diese Liebe zu seiner Heimat dürfte es gewesen sein, die ihn allen Abratungen zum Trotze veranlasste, zuletzt Steglitz mit Unruhstadt zu vertauschen. Er fühlte wohl, dass sein Lebenswerk zu Ende ging und er wollte den Lebensabend in seiner Heimat verleben.

Der einzige Sohn war zwar in fernen Landen, er bekleidet in Hollywood eine bedeutsame Stellung beim Film; aber rührend war das innige Verhältnis, das ihn auch aus der Ferne mit seinen Eltern verband, vorbildlich, wie der Sohn den Lebensabend der Eltern verschönte.

Blanke war ein Künstler, ja ein Malerfürst, dem das Leben viel geschenkt hat, nur wenigen Künstlern ist in ihrem Erdenwallen Ähnliches beschieden.

So durften wir mit dem Schicksal nicht hadern, sondern konnten gemeinsam mit seinen Angehörigen aufrichtige Empfindungen des Dankes in den schwarz umflorten Kranz der Trauer winden.

Neben seinen Eltern betteten wir den Künstler zur ewigen Ruhe in heimischer Scholle, wie er es in seinem arbeitsreichen glücklichen Leben stets gehofft hatte.

Ein Künstlerleben hat seinen schönen Ausklang gefunden; wir schieden vom Grab und mussten an die Worte des Dichters denken:„Der ist in tiefster Seele treu, der die Heimat so liebt wie Du!“

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Nachrufe aus Tageszeitungen der Region (Verfasser unbekannt)

Im Krankenhaus in Schwiebus ist gestern der Kunstmaler Wilhelm Blanke im Alter von 63 Jahren an den Folgen einer Grippe gestorben...
... Im Herbst 1933 wandte er dem Großstadtgetriebe Berlin den Rücken, um sich hier in seiner Heimatstadt in der Stille und Ruhe ganz seinem künstlerischen Schaffen zu widmen, wo er einst begonnen hatte. Hundert Kostbarkeiten aus den heimatlichen Gefilden hatte er als Studien oder fertig stets zur hand, um zu rekapitulieren, wo noch unerkannte Schönheit aufzuspüren ist. In den Hügeln um Neuzelle, im Grieseltal, überall hatte er auf seinen ostmärkischen Malerfahrten seine Staffelei aufgestellt und Hunderte seiner Werke künden in den Bürgerhäusern Berlins oder der Mark von der Heimatschönheit, wie Blanke sie offenbarte. Im Sitzungssaal des Rathauses seiner Heimatstadt hängt ein von ihm gestiftetes Bild „Jahrmarkt in Unruhstadt“, das auf einer Kunstausstellung in Berlin preisgekrönt worden ist.

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Zur letzten Ruhe bestattet wurde gestern der so unerwartet schnell verschiedene Kunstmaler Wilhelm Blanke....Am Grab ergriff der aus Berlin von dem Verein Berliner Künstler und dem Märkischen Künstlerbund als Vertreter entsandte Maler Kayser-Eichberg das Wort zu einem tief empfundenen Nachruf. Mit ergreifenden Worten schilderte er den Lebenslauf des verstorbenen Künstlers. Wie er aus einfacher Unruhstädter Familie stammend, zunächst handwerklich ausgebildet, als Strebender in die Berliner Künstlerkreise eingetreten ist und sich in kürzester Zeit zum wahren Meister der Malkunst aufgeschwungen hat. Aber nicht nur als Künstler allein werde Wilhelm Blanke allen , die ihn kannten, unvergesslich sein. Unzähligen Kollegen habe er als Künstler und Mensch mit Rat und Tat beigestanden. Sein Steglitzer Heim war viele Jahre geselliger Mittelpunkt....

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...Sein starkes technisches Talent, seine ungewöhnliche koloristische Begabung führten ihn auf die verschiedensten Gebiete. Auf allen Ausstellungen fiel er durch seine glänzenden Kirchenräume auf, besonders Barockkirchen gehörte seine Neigung; aber ebenso reizten ihn schlichte Biedermeierzimmer in Potsdam, Paretz und die Räume der eigenen Wohnung...Er stand unter dem Einfluss der Bracht-Schule, ging aber später eigene Wege und erreichte eine aufgelockerte malerische Behandlung, die er dann mit einem zeichnerisch strengen Stil verband, nachdem er in Nachbildung goldglänzender, gotischer Altarfiguren die herbe Art liebgewonnen hatte.
... Mit einigen Worten sei noch des trefflichen Menschen gedacht, den niemand vergessen wird, der ihm näher getreten ist. Wilhelm Blanke hatte eine ungewöhnliche Frische und Ursprünglichkeit, die sogleich alle in seinen Bann zog, eine sprudelnde Lebendigkeit, eine Gastlichkeit, die manchmal sein Haus fast zu sehr füllte. Dabei war er ein aufrechter Mann mit eigener Meinung, immer hilfsbereit und von den Kollegen sehr geschätzt wegen seines treffsicheren Urteils und der Ratschläge, die er zu geben wusste; er wäre hervorragend zu einem Lehramt befähigt gewesen....M. M.

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Karl Cayser-Eichberg, 1936

...Blanke war in allererster Linie Kolorist, das Gefühl für den musikalischen Zusammenklang der Farben war in zielbewusstem Studium bis zur Vollendung gesteigert. Sein sicherer Instinkt für den Bildaufbau, sein Stilgefühl, sein Geschmack befähigten ihn zu Bild-Dispositiven, die ganz naturgemäß viele Arbeiten seiner Zeitgenossen übertrafen. Niemals hat sich der Künstler auf ein enges Gebiet konzentriert, sein Schaffen war groß und umfangreich, und doch drückte seine Individualität jeder einzelnen Arbeit ihren Stempel auf.

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Ausschnitte aus christlichen Szenen 




 

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